Deutschland / Baden-Baden
Redel Stiftung finanziert Gesundheitslotsin für Wohnungslose
Caritas Sozialstation und Wohnungslosenhilfe möchten damit die Gesundheitsversorgung verbessern.
Die Caritas Wohnungslosenhilfe in Baden-Oos hat seit Januar eine „Gesundheitslotsin“ vor Ort. Diese bietet wohnungslosen Menschen in Baden-Baden Hilfe beim Zugang zu Pflege und gesundheitlicher Versorgung. Die Redel Stiftung finanziert den Start des Projektes für die kommenden zwei Jahre. „Wir setzen uns mit der Redel Stiftung dafür ein, allen Menschen zu helfen. Das tun wir weltweit. Aber wir haben auch die Situation von Menschen vor Ort in Baden-Baden im Blick und sehen den Bedarf bei der Wohnungslosenhilfe des Caritasverbands“, sagt Martin Schröder, Vorstand der Redel Stiftung.
Alexandra Huber-Hennig ist examinierte Altenpflegerin und wurde für das Projekt bei der Caritas-Sozialstation angestellt. Im Einsatz ist sie jedoch in der Wohnungslosenhilfe. Sie hat die medizinische Erstversorgung in der Wohnungslosenhilfe übernommen und könnte – falls erforderlich – ebenso die akute Pflege leisten. Die fachliche Unterstützung ermöglicht es, mehr Krankheitsbilder bei den gesundheitlich angeschlagenen Menschen zu erkennen. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der Caritas-Wohnungslosenhilfe können dies nicht leisten. „Mit der Pflegefachkraft im Haus ist das ganz anders“, sagt Christian Frisch. Von den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern wird sie als Ansprechperson deshalb sehr geschätzt.
Akut helfen und langfristig beraten
Huber-Hennig kann bei ihrer Arbeit direkt ansetzen und Wunden versorgen – auch wenn Krankenversichertenkarten verlorengegangen sind oder gestohlen wurden. Arztbesuche sind ohne diese nicht möglich, solange es sich nicht um lebensbedrohliche Situationen handelt. Eine Wunde würde in diesem Fall erst versorgt werden, wenn zum Beispiel eine Sepsis, eine Blutvergiftung, vorliege.
„Ich mache viele Beratungen zum Gesundheitsstatus. Und das immer wieder aufs Neue, weil die wohnungslosen Menschen selten zum Arzt möchten“, sagt die 51-Jährige. Ängste oder Misstrauen gegenüber Ärzten spielen dabei eine Rolle. Auch Überforderung. Deshalb begleitet Huber-Hennig Betroffene zu Ärzten, hält Kontakte zu Ärzten, unterstützt bei einer Therapiesuche, hilft bei Anträgen zur Pflegeversicherung bzw. zur Beantragung von Pflegegraden. „Ich habe eigentlich immer jemand dasitzen, es geht um Spritzen-Abszesse oder Kratzwunden, bislang weniger um Pflege“, sagt Alexandra Huber-Hennig „Ich arbeite eng mit der Wundmanagerin unserer Sozialstation zusammen, die mir sagt, wie ich Wunden versorgen kann.“
Für alle wohnungslosen Menschen da
Zudem begleitet sie die Sprechstunden der Caritas-Sozialarbeiterin in der städtischen Wohnungslosenunterkunft Westliche Industriestraße. Zusammen schauen sie auch beim Bahnhof in Baden-Oos, ob wohnungslose Menschen medizinisch versorgt werden sollten. In der Wohnungslosenhilfe und in der Wohnungslosenunterkunft Westliche Industriestraße wurde im Rahmen des Projektes jeweils ein Behandlungsraum geschaffen.
„Die Menschen der Caritas-Wohnungslosenhilfe werden gut versorgt – das hat auch mit sozial-pflegerischer Arbeit zu tun, also die Seelenpflege. Das macht viel aus. Ich mache Wundverbände, gebe Spritzen, bereite Medikamente vor, aber rede auch sehr viel mit den Menschen. Ich spreche gezielt über den gesundheitlichen Hintergrund und das Thema Sucht.“ Christian Frisch ergänzt, dass Gespräche ansetzen können, damit Menschen eine Behandlung machen möchten oder zu einer Beratungsstelle gehen.
Nach den ersten drei Monaten resümiert Huber-Hennig mit einem Lächeln: „Ich bin total offen hier zur Wohnungslosenhilfe gekommen. Ich habe die Stellenanzeige gelesen und gedacht, das passt gut. Ich hatte keine Erwartungen. Und es passt immer noch.“
Zwei Jahre Erfahrungen sammeln
„In den zwei Jahren Projekt-Zeit sammeln wir Erfahrungen und entwickeln ein Konzept für die Zukunft“, sagt Fachbereichsleiter Christian Frisch. Bislang habe sich gezeigt, dass es bei der Arbeit hauptsächlich um Behandlungspflege geht. „Umfangreiche Pflegebedürftigkeit sehe ich aktuell nicht. Aber einige, deren Verfassung einem Pflegegrad eins oder zwei entsprechen“, sagt Huber-Hennig. „Ich denke, der Begriff Gesundheitslotse ist deshalb treffend.“
„Durch den Ausbau von Wohnungslosenhilfe an sich werden die Menschen älter. Auf der Straße zu leben ist deutlich ungesünder“, sagt Christian Frisch. Zum Thema Pflegebedürftigkeit sagt er: „Heimplätze sind schwer zu finden und für Wohnungslose ist das noch schwerer.“ Vorteil sei, dass der Caritasverband mit der Sozialstation und dem Vincentiushaus auch Pflege anbiete.
Langfristig ausrichten
Das Projekt soll langfristig tragfähig sein und das Angebot möglichst dauerhaft gesichert werden. „Wir müssen schauen, dass wir so viel wie möglich unserer Leistungen abrechnen können und wir so das Fördergeld der Redel-Stiftung über die zwei Jahre hinaus nutzen können“, sagt Chris-tan Frisch. Diesbezüglich unterscheidet er zwischen Pflege und die Wohnungslosenhilfe. Die Wohnungslosenhilfe biete Leistungen an, ohne zu wissen, ob man diese abrechnen könne. „Hier in der Wohnungslosenhilfe kann jeder reinkommen und duschen und übernachten. Dabei kann es auch mal vorkommen, dass jemand vorgibt, wohnungslos zu sein, es aber gar nicht ist und man dann letztlich die Kosten zu tragen hat.“
Nach der Förderzeit der Redel-Stiftung hat Caritasverband Baden-Baden bereits Ideen, wie es weitergehen könnte. „Wir stellen uns eine Kooperation mit dem Sozialamt der Stadt Baden-Baden vor. Auch dort sieht man den Pflege- und Gesundheitsfürsorge-Bedarf von wohnungslosen Menschen“, sagt Christian Frisch.
Über die Wohnungslosenhilfe
Weitere Informationen zur Caritas-Wohnungslosenhilfe unter:
https://caritas-baden-baden.de/wohnungslosennotfallhilfe/
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